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Beratungscenter
 


Expertentipp


Vielleicht kommt Nach- folgendes dem ein oder anderen bekannt vor: Die Arbeit türmt sich, das Telefon klingelt an einem Stück, der nächste Termin wartet schon, und gegessen hat man auch noch nichts. Eine Pause wäre jetzt natürlich das Sinnvollste, aber dafür hat man doch keine Zeit… Im Grunde weiß man, dass diese Vorgehensweise absoluter Quatsch ist und es wichtig wäre, gezielt Pausen einzulegen. Allzu gerne lässt man sich von den Tagesereignissen überrollen, anstatt selbst die Regie zu übernehmen.

 


 


 Beratungsanfrage

Betreff / Thema: Planung Elternzeit (beantwortet von Dagmar Terbeznik)
   
Anfrage: Ich bin im fünften Monat schwanger und bin unsicher, wie ich das zukünftig mit Kind und Beruf machen soll. Ich mag meinen Beruf sehr gerne, aber ich möchte natürlich auch eine gute Mutter sein. Mein Mann unterstützt alles, was ich möchte. Er würde u. U. auch zu Hause bleiben. Alle wollen von mir wissen, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle, aber ich kann mir das alles noch gar nicht vorstellen.
   
Was möchten Sie mit der Beratung erreichen? Mehr Klarheit, welche Möglichkeiten es gibt und Hilfestellung meine eigene Position zu klären.
   
Was soll sich durch die Beratung verändern? Ich möchte vorbereitet in das Gespräch mit meinem Arbeitgeber zur Planung der Elternzeit und des Wiedereinstiegs gehen.
   
Wie viel ist mir die Beratung wert? 50,- Euro



 Berater: Dagmar Terbeznik



 



 Kunde/Klient:



 



 Berater: Dagmar Terbeznik

Herzlichen Glückwunsch, Sie werden bald Mutter!
Ihre Situation kennen viele werdende Mütter. Neben der Freude über den wachsenden Bauch, gibt es viel Unsicherheit über das zukünftige Leben. Es ist großartig, dass sie sich schon heute Gedanken über ihre zukünftige Berufstätigkeit machen und diese mit ihrem Partner und ihrem Arbeitgeber planen wollen. Und sie schreiben, dass Sie Ihren Beruf sehr gerne haben – prima!

Zunächst folgendes:
Pläne und Ziele sind gut, um uns Orientierung zu geben. Sie sind wie eine Landkarte, ohne die wir uns hoffnungslos verirren, wenn wir uns in unbekanntes Terrain aufmachen. ABER: Pläne und Ziele können geändert werden. Auch wenn Änderungen nicht immer leicht sind und oftmals ihren Preis habe – sie sind möglich!

Im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt es heute unzählige Möglichkeiten und Beispiele, wie es gehen kann. Das ist die gute Nachricht! Die fordernde Nachricht ist: Sie müssen sich entscheiden und selbst Verantwortung übernehmen.

Wie kommen Sie nun also ihrem Plan näher, um diese Herausforderung anzunehmen?

Beantworten Sie sich folgende Fragen. Sein Sie dabei ganz spontan ohne langes grübeln. Es darf auch erstmal „unvernünftig“ sein.

1. Welchen Aktivitäten gehen Sie in einer typischen Woche nach (Beruf, Partnerschaft, Freunde, Hobby, Haushalt etc.)?

2. Wie viel Zeit verwenden Sie in einer typischen Woche auf diese Aktivitäten (ca. in %)?

3. Was waren die größten Erfolge, die sie in ihrem Leben hatten?

4. Zu welchem der unter 1. genannten Bereiche lassen sich diese Erfolge zuordnen?

5. Wie wird sich diese Aktivitätenliste mit den zugehörigen Zeiten nach der Geburt Ihres Kindes verändern (1. Jahr)?

6. Wie wird sie in fünf Jahren aussehen? Wo wollen sie beruflich in fünf Jahren stehen?

7. Wie wird sie in 15 Jahren aussehen? Wo wollen Sie in 15 Jahren beruflich stehen?

8. Wie wird der Wiedereinstieg in den Beruf, wenn Sie 6 Monate, 12 Monate, 24 Monate oder 36 Monate nicht arbeiten?

Die Beantwortung dieser Fragen wird sie damit in Verbindung bringen, wie wichtig Ihnen der Beruf ist und was sie hier noch vor haben.

Mütter wollen immer gute Mütter sein! Dazu auch ein paar Fragen, die Ihnen nützlich sein könnten:

1. Was zeichnet eine gute Mutter aus?

2. Was zeichnet einen guten Vater aus?

3. Wer oder was kann noch dazu beitragen, dass es einem Kind gut geht und es sich optimal entwickelt?

So, nun haben Sie sich einige Gedanken gemacht, aber was sagt Ihnen das konkret? Hierzu noch ein paar Hinweise:

Ihr Mutterschutz beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet im Regelfall 8 Wochen nach der Geburt. Die Elternzeit müssen sie spätestens 7 Wochen vor deren Beginn bei ihrem Arbeitgeber anmelden (schriftlich!). Zu diesem Zeitpunkt müssen sie verbindlich erklären, für welchen Zeitraum innerhalb von 2 Jahren Sie Elternzeit beanspruchen. Während der Elternzeit können Sie bis zu 30 Stunden Teilzeit arbeiten und unterliegen dem Kündigungsschutz. Das gleiche Recht hat der Vater des Kindes.
Grundsätzlich haben Sie also noch etwas Zeit für Ihre Überlegungen. Und die sollten Sie gemeinsam anstellen. Ihr Mann könnte z. B. die o. g. Fragen auch für sich beantworten und dann können Sie sich gemeinsam darüber unterhalten.

Fragen Sie sich beide:

1. Wer soll und kann in unserer Partnerschaft welche Verantwortung tragen? (z.B. finanzielle Absicherung der Familie, Betreuung des Kindes, Organisation des Haushalts etc.)

2. Wie lange kann und möchte jeder welche Verantwortung tragen?

3. Welche Hindernisse könnten bei welcher Lösung im Weg stehen?

4. Wie könnte man diese überwinden?

5. Wo finden wir Unterstützung?


Zu den Überlegungen der Elternzeitgestaltung:
Sie können Elterngeld in Anspruch nehmen, das 67 % Ihres Nettogehalts vor der Geburt beträgt. Dieses erhalten Sie allein 12 Monate, bzw. 14 Monate, wenn Ihr Partner mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt. Wie Sie sich die Zeit als Paar aufteilen oder ob Sie gemeinsam einen Teil dieser Zeit nehmen, können Sie entscheiden. Bei Teilzeitarbeit, wird das Elterngeld anteilig gezahlt.

Auch hier gibt es also viel Spielraum. Ich kenne Paare, bei denen die Frau 6 Monate zu Hause geblieben ist und dann der Vater 6 Monate. Beide haben anschließend wieder vollzeitnah (30 – 40 Stunden) gearbeitet. In anderen Fällen ist sie 12 Monate zu Hause geblieben, er hat parallel zu ihr zwei Monate Elternzeit genommen, so dass beide zu Hause waren. Nach der Elternzeit ist sie mit 20 Stunden in der Woche wieder eingestiegen, er hat weiter Vollzeit gearbeitet.

Machen Sie ihre eigene Traumreise. Spielen Sie ihren Tagesablauf durch, in den verschiedenen Varianten. Lassen Sie sich für jede Variante mindestens einen Tag Zeit und malen sie es sich so detailgetreu aus, wie möglich. Ihr Gefühl wird Ihnen helfen, eine Entscheidung zu treffen, wo rationale Gründe nicht weiterhelfen.

Denken Sie auch über folgende Fragen nach:

1. Was wünscht sich mein Arbeitgeber? Worauf achtet mein Arbeitgeber? Welche Interessen verfolgt er? (Versuchen Sie sich in seine Position zu versetzen!)

2. Was kann ich meinem Arbeitgeber anbieten, um seinem Wunsch zu entsprechen?

3. Was kann mein Arbeitgeber mir anbieten, um meinen Wünschen zu entsprechen?

4. Aus Sicht des Arbeitgebers: Wozu ist es gut, wenn sie sich nicht einigen können? Was ist der Preis, den er zahlt, wenn sie sich nicht einigen?

5. Wozu ist es für Sie gut, wenn sie sich nicht mit ihrem Arbeitgeber einigen können? Was ist der Preis, den Sie zahlen, wenn sie sich nicht einigen?

Gehen Sie gut vorbereitet in das Gespräch mit dem Arbeitgeber und werden Sie kreativ, um ihm Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Z. B. Kontakt halten in der Elternzeit, Vertretungseinsätze in der Elternzeit, Wiedereinstieg in abgestufter Teilzeit (z. B. 2 Monate 10 Std./Woche, danach Monate 20 Std./Woche bis zum Ende der Elternzeit), alternierende Telearbeit (teils im Büro, teils zu Hause arbeiten), Zuschuss zur Kinderbetreuung u. a.

Noch ein paar Worte zur Kinderbetreuung: Gute Eltern sind nicht unbedingt solche, die rund-um-die-Uhr selbst ihr Kind betreuen. Sondern sie suchen eine gute Kinderbetreuung, bei der sie überzeugt sind, dass es ihrem Kind gut geht und sie es ohne Sorgen dort eine gute Zeit verleben lassen können. Auch hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Tagesmutter, Krippe/Kindergarten, Kindermädchen, Aupair etc.. Bei Kindern ist es insbesondere in den ersten Jahren vor allem wichtig, dass sie feste Bezugspersonen haben. Schauen Sie sich also die Alternativen an und achten sie auf eine gewisse Kontinuität bei den Betreuungspersonen.

Sie sehen: eine Standardlösung gibt es in dieser Frage nicht.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei Ihren Überlegungen und Planungen. Denken Sie ruhig erstmal etwas „verrückt“ und fangen Sie dann erst an „vernünftiger“ nach Umsetzungsmöglichkeiten zu suchen.

Viele nützliche Informationen finden Sie übrigens auch hier:
www.familien-wegweiser.de

Gleichgesinnte finden Sie auch in verschiedenen Netzwerken, wie z. B. dem Verband berufstätiger Mütter, www.berufstaetige-muetter.de.

Alles Gute wünscht
Dagmar Terbeznik